Fantasie kommt nicht von allein

Autor Wolfsmehl gab den Deutschkursen der Q1 Einblick in seine Arbeit

„Fantasie kommt nicht von allein.“ Der Satz fiel am Donnerstag, 29. Oktober 2026, in einem Raum voller Schülerinnen und Schüler der Q1 und er taugt an diesem Vormittag als Zusammenfassung eines Besuchs, der weit über den Deutschunterricht hinausreichte. Zu Gast war Michael Kumeth, der unter dem Künstlernamen Wolfsmehl schreibt: als Dramatiker, Drehbuchautor und Hörspielproduzent.

Am Anfang seiner Arbeit stand ein Hörspiel nach seiner eigenen Kurzgeschichte „Zeit der Unübertrefflichkeit“. Von dort aus spannte sich der Bogen weiter. Wolfsmehl stellte seine Erzählung „Der Ideenfabrikant“ vor, in der die Fantasie auf der Erde versiegt. Eine Welt ohne Einbildungskraft, erzählt als Konsequenz und nicht als Schreckensbild: Das war der Stoff, an dem sich das anschließende Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern entzündete.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wo Fantasie eigentlich herkommt. Wolfsmehl machte deutlich, dass sie kein Zustand ist, der sich von selbst einstellt, sondern das Ergebnis vieler Interessen und vieler Faktoren. Damit sie nicht abstumpft, brauche es Bildung und Vernetzung und erst im Zusammenspiel entstehe etwas, das diesen Namen verdient. Eine Schülerin hakte nach: Kann man Fantasie wieder lernen, wenn man sie verlernt hat? Eine einfache Antwort gab es darauf nicht. Wohl aber eine tröstliche: Ausbauen lasse sich Fantasie in jedem Fall und grundsätzlich sei sie in jedem Menschen erst einmal vorhanden.

Zum Abschluss stellte Wolfsmehl sein Drama „Königshaut“ vor, das im Juli 2026 im Schlosshof von Schloss Friedenstein in Gotha gemeinsam mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach aufgeführt wurde und als Hörspiel mit Klaus Maria Brandauer vorliegt. Das Stück ist im Mittelalter angesiedelt und erzählt von einem Diktator, der das seinem Vater gegebene Versprechen „Grimmenstein zu Friedenstein“ bricht. Die Zeit verwandelt ihn daraufhin: Äußerlich trägt er nun das Antlitz seines Lebensendes, während er Zug um Zug jünger wird und innerlich reift. Was als Strafe beginnt, wird so zum Nachdenken über die Wandelbarkeit eines Lebens.

Ein Autor, der seit Jahrzehnten tiefgründige Stoffe zwischen Bühne, Buch und Hörspiel wandern lässt, hat über das Schreiben mehr zu erzählen als über das Handwerk. Dass er dafür den Weg in die Schule auf sich genommen hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Ein herzlicher Dank gilt Michael Kumeth für diesen Einblick in seine Arbeit und dem Lionsclub Eschwege für die Unterstützung, die diese Veranstaltung erst möglich gemacht hat.

(Christina Csenar)

Oberstufengymnasium Eschwege

Gymnasium des Werra-Meißner-Kreises
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