Beim Weihnachtskonzert der Eschweger Gymnasien zeigten rund 100 Schülerinnen und Schüler von Friedrich-Wilhelm-Schule und Oberstufengymnasium ihr Können. Von Gospel bis „Game of Thrones“ reichte das beeindruckende Programm der jungen Künstler.
In ihrer Begrüßung lud Marion Lentz als Leiterin des Oberstufengymnasiums dazu ein, sich von den Klängen der jungen Künstler berühren zu lassen. Diese hätten mit Hingabe etwas Wertvolles geschaffen, das man schlicht nicht kaufen könne.
Der gemeinsame Auftritt des jungen Vororchesters und der routinierten „Tunes of Wind“ unter Leitung von Anke Salzburger umfasste eine Auswahl von Weihnachtsliedern mit großer Spannweite: Das volkstümliche französische „Imitez, Amis Bergers“ fordert dazu auf, die Freude der Hirten demütig nachzuahmen, während das niederländische „O Kerstnacht“ auf die grausame Dimension der Weihnachtsgeschichte verweist: den Kindermord in Bethlehem.
Der Gospel-Song „Go Tell It on the Mountain“ wiederum verknüpft die Heilsbotschaft mit der Tradition des afroamerikanischen Widerstandskampfes, während das naiv-verspielte „Frosty the Snowman“ die weltliche Seite der amerikanischen Weihnachtskultur verkörpert.
Andreas Worm ließ zunächst seinen etwa 100 Kinder starken „Chor I“ aus Schülern der Klassen 5 bis 7 auftreten. Auch hier fand sich ein dramatischer Aufbau, diesmal bezogen auf das Thema „Liebe“: Während der Song „Carry you home“ ein romantisches Bekenntnis zu Treue und Geborgenheit enthält, beschreibt Ed Sheerans „Shivers“ die elektrisierende Wirkung einer Leidenschaft.
Der Titel „Flashback“ hingegen handelt von der Rückkehr alter Gefühle, die alles verändere. Der Applaus des Publikums für diesen Auftritt war so groß, dass eine Zugabe schlicht unvermeidlich wurde: „Belong Together“ von Mark Ambor, ein Song, der gewiss auch als Sympathieerklärung ans Publikum zu verstehen war.
Ähnlich dialogisch angelegt war der Beitrag des Chors der 7er, der den melancholischen Titel „Wildflower“ von Billie Eilish mit dem kraftvollen „Unstoppable“ von Sia kontrastierte, einer Hymne der Selbstermächtigung („I‘m a Porsche with no brakes“). Auffallend war dabei, dass Andreas Worm seinen Chor auch den zweiten Titel in einer eher zurückhaltenden, nachdenklichen Pose präsentieren ließ. Eine Absage an die Kraftmeierei?
Anke Salzburgers „Tunes of Wind“ empfingen das Publikum mit dem „Christmas Canon“, einer kontrapunktischen Verflechtung des Pachelbel-Kanons in D-Dur und dem Lied „The First Noël“: eine Synthese klassischer Eleganz und feierlicher Weihnachtsstimmung.
Der Schwerpunkt ihres Auftritts lag jedoch auf den majestätisch bis bedrohlich wirkenden Soundtrack Highlights von „Game of Thrones“, die das Orchester in ergreifender Weise zelebrierte – so sehr, dass das Publikum mit seinem Beifall nicht bis zum Ende der dreiteiligen Suite warten mochte. Der Block endete entspannend mit Duke Ellingtons „It Don‘t Mean a Thing“.
Andeas Worms „Chor II“ aus den Klassen 8 bis 13 schließlich präsentierte in beeindruckender Weise das Thema Liebe als zerstörerische Obsession (in „Mr. Brightside“), aber auch als Kraft, die alles überwindet („Durch den Monsun“).
Das Weihnachtslied „Carol of the Bells“ und ein Medley von Rock-Songs der 2000er ließen den Abend in frenetischem Beifall enden. Andrea Herzog als neue Schulleiterin der Friedrich-Wilhelm-Schule dankte allen Beteiligten, aber auch den Eltern für ihre unschätzbare Mitarbeit.
Traditionsgemäß endete das Konzert in einem alle verbindenden „O du fröhliche“. So erfüllte sich das Motto: „Wenn alle Stimmen zusammenkommen, entsteht Magie.“
Jörg Tiedemann
