Die Macht des Framings – Autor Leonhard F. Seidl zu Gast im digitalen Raum

Am vergangenen Mittwoch nahm die Q2 an einem digitalen Vortrag zum Thema „Framing – Die Sprache der extremen Rechten“ teil. Der Autor Leonhard F. Seidl schaltete sich online zu und referierte über die Macht von Sprache in Politik und Öffentlichkeit. Der Vortrag war inhaltlich eng angebunden an die Unterrichtsthemen in Politik und Wirtschaft (PoWi) sowie im Fach Deutsch an das derzeit behandelte Themenfeld „Sprache und Öffentlichkeit“.

Was ist Framing?

Zu Beginn definierte Seidl „Framing“ als ein psychologisches Phänomen: Unterschiedliche Formulierungen ein und desselben Sachverhalts können zu unterschiedlichen Bewertungen führen („Jedes Wort aktiviert einen Frame im Kopf“). Anhand anschaulicher Beispiele wurde deutlich, wie stark Sprache Emotionen und Assoziationen steuert. So zeigte Seidl, dass Begriffe wie „Baby“ oder „Fötus“ jeweils unterschiedliche Bilder und Gefühle hervorrufen und dadurch politische Debatten – etwa um ein Abtreibungsverbot – beeinflussen können. Sprache transportiert also nicht nur Informationen, sondern auch Bewertungen und Emotionen.

Sprache und rechtspopulistische Strategien

Im zweiten Teil widmete sich der Vortrag der Sprache der extremen Rechten. Die Präsentation zeigte ein vereinfachtes rechtspopulistisches Weltbild auf, das zwischen „wir“ und „die Anderen“ unterscheidet und gezielt Bedrohungsszenarien aufbaut. Sprachbilder und bewusst gesetzte Begriffe können dabei Feindbilder konstruieren, Emotionen schüren und Diskussionen verschieben. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass solche sprachlichen Strategien nicht nur kurzfristig wirken, sondern durch ständige Wiederholung Denkweisen verfestigen können. Konsequenterweise vermied der Autor eben genau diese Wiederholungen belasteter Begriffe.

Wie kann man reagieren?

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Umgang mit rechtspopulistischer Sprache. Seidl stellte verschiedene Strategien vor – darunter das Konzept der „radikalen Höflichkeit“ sowie Möglichkeiten des sogenannten „Reframings“, also der bewussten Veränderung von Deutungsrahmen. Dabei wurde deutlich, dass der Umgang stets vom jeweiligen Kontext abhängt und sowohl sachliche Diskussion als auch klare Abgrenzung umfassen kann.

Ein gelungener digitaler Austausch

Trotz des Online-Formats entwickelte sich ein lebendiger Austausch. Die Schülerinnen und Schüler konnten Fragen stellen und eigene Beobachtungen aus Medien und Alltag einbringen. Der Vortrag machte deutlich, wie relevant ein bewusster und kritischer Umgang mit Sprache gerade in Zeiten sozialer Medien und polarisierter Debatten ist.

OG Eschwege