Zwischen Rock School, Crêpes und Moshpit?!

Vier junge Musikerinnen und Musiker aus Eschwege in Bordeaux

Amy Winehouse im Orchesterformat, ein Moshpit bei Billie Eilish und zwischendurch Confit de Canard statt Kantinenessen: Für vier junge Musikerinnen und Musiker des Schulorchesters “Tunes of Wind” des Oberstufengymnasiums aus Eschwege wurde das Orchesterprojekt in Bordeaux für eine Woche zum Soundtrack des frühen Sommers 2026.

Larissa Stein, Milena Probst, Timon Bachmann und Jonathan Panke hatten sich mit Audioaufnahmen für das European Orchestra im Rahmen des Schülerfestivals „Le Nouveau Festival“ qualifiziert. Gemeinsam mit rund 50 jungen Musikern aus Frankreich, Malta, Rumänien, Italien und einer weiteren deutschen Gruppe aus Südfranken arbeiteten sie vom 18.05. bis zum 22.05.2026 in Bordeaux an einem außergewöhnlichen Konzertprojekt. Begleitet wurde die Gruppe von Anke Salzburger sowie ihrer Tochter Helene Salzburger als Dolmetscherin und zweite Betreuungsperson.

Das Projekt „European Orchestra“ wird seit Jahren getragen und gefördert von der Région Nouvelle-Aquitaine, Le Laba, der Ligue de l’Enseignement und Erasmus+. Dank dieser Organisationen wird die wertvolle interkulturelle Begegnung junger Menschen, die professionelle musikalische Arbeit und die praktische Erfahrung des europäischen Gedankens auch finanziell für alle erschwinglich. 

Im Zentrum der diesjährigen Arbeitsphase stand die Musik von Amy Winehouse. Der musikalische Leiter Félix Lacoste hatte sich bewusst für die britische Künstlerin entschieden. Ihm ging es nicht nur darum, eine der prägendsten Musikerinnen der 2000er Jahre in den Fokus zu rücken, sondern auch um die Themen hinter ihrer Geschichte wie psychische Belastung, Druck in der Musikbranche und mentale Gesundheit unter jungen Talenten. Amy Winehouse starb 2011 mit nur 27 Jahren an den Folgen einer Alkoholvergiftung nach Jahren des öffentlichen Kampfes mit Sucht und zahlreichen psychischen Krisen. Félix Lacoste verband die Zusammenarbeit deshalb immer wieder mit einer klaren Botschaft an die jungen Menschen: Holt euch Hilfe, wenn ihr sie braucht.

Obwohl die Teilnehmenden aus fünf verschiedenen Ländern kamen, funktionierte die Verständigung erstaunlich schnell. Die gemeinsame Sprache war die Musik, besonders während der intensiven Probentage in der Rock School Barbey. Bereits nach zwei Tagen präsentierte das Europa-Orchester die ersten Stücke bei einem Open Concert. Später folgte der große Auftritt im Rocher Palmer, einem der bekanntesten Kulturzentren der Region.

Wer mit Flöte, Saxophon oder Trompete im Schulorchester beginnt, denkt vermutlich zunächst nicht daran, irgendwann gemeinsam mit einer internationalen Band Songs von Amy Winehouse oder Billie Eilish auf einer professionellen Bühne zu spielen. Doch im Rocher Palmer in Bordeaux wurde genau das zur Realität.

Das junge französische Publikum sorgte dort für eine energiegeladene Konzertatmosphäre. Besonders bei der Zugabe Bad Guy von Billie Eilish verwandelte sich der Bereich vor der Bühne kurzzeitig in einen Moshpit. Ein unvergesslicher Höhepunkt der Projektwoche und der Arbeit im europäischen Jugendorchester.  

Nach den Proben blieb sogar auch noch Zeit für Bordeaux selbst. Die Stadt zeigte sich von ihrer besten Seite. Durch die warme Abendsonne auf den hellen Fassaden, den verwunschenen Gassen, die kleinen Boutiquen und Straßen voller junger Menschen wirkte die Stadt wie eine Mischung aus Arthouse-Film und Städtetrip-Traum auf TikTok. Und natürlich gab auch die französische Küche ihr Bestes. Zwischen schnellen Kantinen-Nudeln wartete ein französischer Crêpes-Abend, zwei schicke Restaurantbesuche und sogar Confit de Canard auf die Teilnehmenden. Europa-Liebe geht eben auch durch den Magen.

Am letzten Projekttag stand schließlich noch der europäische Gedanke selbst im Mittelpunkt. Die Organisation CRIJ Bordeaux gestaltete im „Infojeune Bordeaux“ ein interaktives Programm rund um Europa und kulturellen Jugendaustausch.

Was bleibt, ist mehr als nur ein Konzertprojekt. Es sind neue Freundschaften quer durch Europa, gemeinsame Erinnerungen backstage, Diskussionen auf Englisch-Französisch-mit-Händen-und-Füßen und Songs, die wahrscheinlich noch Wochen später in den Ohren nachklingen.  

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Idee Europas. Nicht in großen Reden, sondern in Momenten, in denen junge Menschen merken, wie klein der Kontinent plötzlich wirkt, wenn man zusammenrückt. 

(Anke und Helene Salzburger)  

OG Eschwege