Digitalisierung, Gendern, Corona – Fragen an Kultusminister Dr. Alexander Lorz

Am Donnerstag, dem 16. September, nahm sich der hessische Kultusminister Dr. Alexander Lorz  (CDU) 90 Minuten lang Zeit, um mit Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Politik & Wirtschaft am Oberstufengymnasium Eschwege ins Gespräch zu kommen. Wie kam es dazu? Das Land Hessen hat im vergangenen Jahr die „Digitale Doppelstunde mit dem Kultusminister“ ins Leben gerufen – ein Veranstaltungsformat, bei dem sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte aus ganz Hessen mit dem Minister per Videokonferenz zusammenschalten können.

Alexander Lorz wurde zu Beginn der „Digitalen Doppelstunde“ von Schulleiterin Margret Schulz-Bödicker und Kurslehrerin Tanja Peters begrüßt und zum 50jährigen Schuljubiläum 2023 nach Eschwege eingeladen. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich gut auf die Begegnung vorbereitet und viele Fragen zu unterschiedlichen Themen  im Gepäck.  Die erste Frage galt dem Wahlkampf und den schlechten Umfragewerten des CDU-Kandidaten. Lorz meinte, dass die CDU sich wohl zu sehr an den Grünen als „Hauptgegner“ abgearbeitet habe und deshalb den eigentlichen Gegner, Olaf Scholz von der SPD, zu wenig „auf dem Schirm“ gehabt habe. 

Auf seinen „ganz normalen“ Alltag angesprochen, berichtete Lorz, dass die Leitung eines Ministeriums  eine Management-Aufgabe sei, die er als sehr reizvoll und abwechslungsreich empfinde, auch wenn er viel unterwegs sei und das Auto neben seinem Büro in Wiesbaden sein zweiter Arbeitsplatz sei.

Müsse Bildung nicht Bundessache sein, fragte ein Schüler. Nein, meinte Lorz, und wies darauf hin, dass der Föderalismus in Deutschland eine historisch gewachsene Struktur mit langer Tradition sei, deren Sinn darin bestehe, regionalen Besonderheiten gerecht zu werden. Im Übrigen erzielten zentralistische Systeme wie z.B. das französische nicht automatisch die besseren Ergebnisse bei internationalen Vergleichen.

„Gendern Sie?“, wurde Lorz gefragt. Und: „Sollte in der Schule gegendert werden?“  Lorz betonte, dass es keine Diskriminierungen aufgrund der geschlechtlichen Vielfalt geben dürfe. Deshalb würden Stellen ja auch immer mit dem Kürzel m/w/d ausgeschrieben. Aber: Da der Rat für deutsche Rechtschreibung Sonderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkte in der Mitte eines Wortes nicht anerkenne und diese Sonderzeichen somit nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibregelung seien, empfiehlt er, diese Schreibweisen in der Schule nicht zu lehren.

„Warum ist die Digitalisierung der Schulen noch nicht weiter vorangekommen?“, mahnte ein anderer Schüler. Lorz berichtete, dass man seit Beginn der Pandemie im März 2020, wo etwa 30% der Schulen an das Highspeed-Netz angeschlossen waren, inzwischen eine Quote von 71% habe. Auch die Ausgabe digitaler Endgeräte an Lernende und Lehrkräfte sei vorangekommen und werde bald abgeschlossen sein.

Dass man Religion bzw. Ethik durchgängig bis zum Abitur belegen müsse, sei durch das Schulgesetz und die Oberstufenverordnung festgelegt, erläuterte Lorz auf Nachfrage. Zudem habe das Fach Religion, wie auch das Fach Geschichte, sogar Verfassungsrang. Ein neues Schulfach Medienbildung lehnte Lorz ab, da dies eine Querschnittsaufgabe für alle Fächer sei. Er zeigte sich jedoch aufgeschlossen gegenüber der Einführung des Fachs Informatik schon ab Klasse 5.

„Wann kehren wir endlich wieder in die Normalität nach Corona zurück?“ war eine weitere Frage der Schülerinnen und Schüler.  Lorz plädierte dafür, einen Mittelweg zu steuern: „Wir tasten uns langsam voran.“  Wichtig sei, die Expertise der Virologen heranzuziehen. Eine Impfpflicht für Oberstufenschüler lehnte er ab; er wolle lieber überzeugen anstatt Vorschriften zu machen. Dass es auch Gegenwind gegen die hessischen Corona-Maßnahmen gebe, sei in einer Demokratie wichtig und richtig. „Wir brauchen die gesellschaftliche Diskussion, um richtige Entscheidungen treffen zu können, z.B. bei Grundrechtseinschränkungen.“

Zum Schluss wies die Schulleitern Margret Schulz-Bödicker darauf hin, dass sich durch die Corona-Pandemie die Belastungsstörungen bei den Schülerinnen und Schülern häuften, die Psychologen beim staatlichen Schulamt jedoch völlig überlastet seien und Betroffene ein halbes Jahr und mehr auf einen Gesprächstermin bei einem Therapeuten warten müssten. Lorz räumte ein, dass eine kurzfristige und schnelle Hilfe nicht zu schaffen sei, berichtete aber, dass die Stellen für Schulpsychologen aufgestockt werden würden.  Vielleicht könne auch der Kreis helfen, denn die Einrichtung von Stellen für Schul-Sozialarbeiter sei eine kommunale Aufgabe.

„Die Digitale Doppelstunde ist ein Format, bei der wir ungefiltert einen Eindruck davon bekommen, wo bei unseren Schülerinnen und Schülern, aber auch bei ihren Lehrkräften der Schuh drückt“ sagte Lorz nach der Videokonferenz. „Ich danke den Schülerinnen und Schülern des Oberstufengymnasiums Eschwege sehr für die heutige Diskussion.“

(Ulrike Arnold)

copyright Titelbild: HKM

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