#Ehemalige berichten – Sei wachsam, fleißig und offen für Neues

Nach meinem Abitur im Juni 2018 habe ich im Oktober 2019, nach einem Jahr arbeiten und reisen, mein Studium der Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen begonnen. Am OG waren meine Leistungskurse Chemie und Deutsch. Und bereits an dieser Stelle deutet sich an, was ich an meiner Ausbildung am Oberstufengymnasium Eschwege so gemocht habe: Man kann aus einem breit gefächerten Bildungsangebot wählen, ohne sich durch eine Spezialisierung einschränken zu müssen. Durch die Vielzahl der Fächer kann man seine eigenen Stärken in Bereichen finden, wo man sie selbst nie gesucht hätte.

Ich wählte zu Beginn meines Politikstudiums den außerfachlichen Kompetenzbereich Internationales Recht und Staatsrecht. Demnach hatte ich im ersten Semester das Jura-Modul Staatsrecht. Ich entdeckte meine Faszination für die Juristerei, für ihre Logik und unglaubliche Anwendungskraft. Dazu kommt, dass mir mein Staatsrecht-Professor Dr. Heinig eine Stelle an seinem Lehrstuhl als studentische Hilfskraft angeboten hat. Ich erfuhr beiläufig, dass ihn unter anderem meine rege Teilnahme an den Diskussionen in den Vorlesungen dazu bewegt hatte. Insbesondere der Geschichtsunterricht bei Herrn Heinz und der Politikunterricht bei Frau Lentz haben mich darauf gut vorbereitet. Einerseits dadurch, dass Herr Heinz rege Teilnahme spürbar schätze und förderte und andererseits dadurch, dass ich viele Unterrichtsinhalte der Qualifikationsphase noch im Kopf hatte. Trotz des Jahres Pause zwischen OG und Uni verfüge ich noch über viel Wissen aus dem Geschichts-, Ethik-, und Politikunterricht. Herr Heinz pflegte zu Beginn jeder Stunde ein historisches Bild in der Klasse zu zeigen und die Hintergründe zu erklären. In Modulen wie Internationale Beziehungen, Das politische System der Bundesrepublik Deutschland oder Staatsrecht konnte ich, durch die Erinnerung an eben diese Bilder und Quellen, oft hilfreiche Wortbeiträge leisten. Sollte demnach jemand diesen Beitrag lesen und bei dem Gedanken an Geschichtsunterricht eher die Augen verdrehen und aufstöhnen – handelt mit Weitsicht. Ich habe an der Uni bereits viele verschiedene Professoren und Dozenten kennen gelernt und ich bin immer noch genauso frech und kritisch gegenüber Autoritätspersonen, kann aber resümierend sagen, dass ich dankbar bin, von Lehrern unterrichtet worden zu sein, die mir, pubertierend, albern-rebellierend und mit einer unsagbaren Undankbarkeit ihnen gegenüber, wertvolle Inhalte mit auf den Weg gegeben haben, die weit über reines Fachwissen hinausgehen.

Ich habe zum Sommersemester 2020 mein Studium insofern umstrukturiert, als dass ich nun im 2-Fach-Bachelor Jura und Politikwissenschaft studiere. Eine Wendung, die ich so zu Beginn meines Studiums nicht erwartet hätte, und ein Zeichen dafür, dass es nicht schlimm ist, sollte man nach dem Abitur noch nicht wissen, was man mit seinem Leben anfangen soll. Panta rhei – solange man wachsam, fleißig und offen für Neues ist, kann man an einer Universität gut und einfach etwas finden, für das man jeden Morgen gerne aufsteht.

Allen Abiturienten oder jenen, die es bald sind, empfehle ich ein Schnupperstudium an meiner Uni. Für 75€ pro Semester (6 Monate) kann man sich quasi jede Vorlesung anschauen, um herauszufinden, ob die alltägliche Arbeit in diesem Fachgebiet zu einem selbst passt. Gerne zeige ich Interessierten auch den Campus und die Universität – es lohnt sich, Göttingen ist wundervoll.

Ich möchte mit einem Ratschlag an alle Schüler des OGs schließen, den mir Frau Schulz-Bödicker nach meinem Abi mitgegeben hat und dessen Befolgung sich für mich, auch im Bezug auf meine Noten, bis jetzt sehr gelohnt hat. Ich habe selbst G8 gemacht und war nach meinem Abi, ca. 200 möglichen Studiengängen und gerade mal 18 Lebensjahren heillos überfordert mit der Entscheidung, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Überlegt, mit welchen Inhalten ihr euch gerne tagtäglich beschäftigt, überlegt, welche Fächer euch in der Schule der Inhalte wegen Spaß machen, hört auf euren Instinkt und wenn ihr eine Idee habt – einfach machen.


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