Acht von zwanzig Orchestermitgliedern der Eschweger Gymnasien nahmen vom 18.06. – 22.06.2022 am Musikfestival Side by Side in Göteborg teil

Acht von zwanzig Orchestermitgliedern der Eschweger Gymnasien nahmen vom 18.06. – 22.06.2022 am Musikfestival Side by Side in Göteborg teil

Ein Bericht von Anke Salzburger 

Wir haben es tatsächlich geschafft! Eigentlich war die Teilnahme an Side by Side in Göteborg für das Jahr 2020 geplant. Als gerade alles organisiert und gebucht war, kam jedoch der erste Lockdown. Die tapferen Schweden haben ihr Projekt mit großem Aufwand dann zwei Jahre lang digital durchgeführt, allerdings ohne unsere Beteiligung. Nach der Genehmigung der Schulleitungen Im Januar 2022 haben sich schließlich Jakob Lentz, Felicia Kreutner, Djibril Claus, Chiara Bergner, Tim Henning, Antonia Salzburger, Lina Eisenträger und Marleen Lenze angemeldet, von denen vier bereits 2019 an dem internationalen Musikprojekt teilgenommen haben. Obwohl dort alles hochprofessionell organisiert ist, bedarf es auch hier vor Ort einer guten Vorbereitung, in die ich mich mit großer Vorfreude gestürzt habe. Das betrifft vor allem die schriftliche Beantragung von Fördergeldern, die Buchung der Reise inklusive aller notwendigen Versicherungen, Elternbriefe, Unterschriften,  bis hin zur einer vorbereitenden Probe des Konzertprogramms.  

Nachdem endlich alle wichtigen Vorbereitungen abgeschlossen und die Koffer gepackt waren, konnte es am Freitag, den 17.06.2022 losgehen. Für die Interessierten unter Ihnen und euch folgt nun mein Bericht der ereignisreichen Tage in Göteborg. 

Freitag, 17.06.2022

Die Zugfahrt ab dem Bahnhof Eschwege bis Frankfurt Fernbahnhof verläuft tatsächlich ohne Probleme und Pannen. Es fängt schon damit an, dass zur Abwechslung mal alle pünktlich am Bahnhof sind, und das schon morgens um 6.00. Geht doch. Sogar die DB hat sich über ihre eigene Pünktlichkeit gefreut und sich selbst gelobt. 

Superpraktisch: der Lufthansa Checkin mit freundlichem und hilfsbereiten Personal, gleich beim Fernbahnhof. Allgemeine Verwunderung darüber, dass nicht eine einzige Ausweiskontrolle stattfindet, stattdessen werden die Instrumente genauestens untersucht. Sieht schließlich gefährlich aus, so eine Querflöte und erst recht die Posaune! 

Wir sind also gut 1,5 Stunden vor Abflug am Gate 25. Es ist die erste Gelegenheit für eine Erkundungstour am Flughafen, zur Freude aller Flughafen-Newcomer.

Dann kommt doch noch kurze Aufregung auf, denn wir müssen zu einem anderen Gate und nochmal einige Sitzplätze tauschen, da in der Notausgangsreihe nur über 16Jährige sitzen dürfen, die Englisch können und hilfsbereit sind. Natürlich kein Problem für uns.

Der Nieselregen bei Ankunft in Göteborg kann uns die gute Laune, das Einchecken in die Schlafsaal-Turnhalle, wo wir unser Matratzenlager aufschlagen, die Anmeldung und eine erste Stadterkundung nicht vermiesen. Wie beim letzten Mal werden wir mit den wichtigsten Side by Side-Utensilien wie T-Shirt, Tasche, Aufkleber, Festivalplan und Ohrenstöpsel (nicht für die Musik, sondern für die Nacht!),  ausgestattet. 

Für das Abendessen steht Mägges auf dem Plan der Schüler*innen, das war ja absehbar. Die erste Nacht in der Turnhalle mit insgesamt 20 Schläfern ist dank der erreichten Bettschwere nach der langen Reise, den Aufregungen und der Ohrstöpsel dann überhaupt kein Problem.  

Samstag, 18.06.2022 

Den herrlichen Vormittag können wir für eine erste kleine Sightseeing-Tour auf einem der berühmten Paddan-Boote machen. Man kann deutlich sehen, dass sich die Stadt seit 2019 verändert und erweitert hat. Nach wir vor bietet sie gerade vom Wasser aus einen herrlichen Anblick. Dann aber geht es mit Side by Side endlich richtig los! 

Wer muss wohin? Nach dem Lunch in der Schulkantine verteilen wir uns in die verschiedenen Gebäude und Räume, wo die ersten Stimmproben stattfinden. Uiii, die ersten Töne klingen wie immer gruselig. Aber schon in der ersten Sektionsprobe (Holz, Blech, Streicher) unter der Anleitung fantastischer Dirigenten, unsere Emily wurde für diese Aufgabe sogar aus Los Angeles eingeflogen, wird den Fehlern und falschen Tönen auf den Pelz gerückt und die Probe schon mit recht schönen musikalischen Ergebnissen beendet.

Die Eröffnungszeremonie findet dann unter freiem Himmel auf dem Götaplatsen vor dem Konserthuset statt und Side by Side wird von den Organisatoren und den 2000 Teilnehmern mit dem gemeinsamen Camp-Song „Sida Vid Sida“ feierlich eröffnet – ein erster Gänsehautmoment. 

Sonntag, 19.06.2022

Während andere ausschlafen, haben wir die erste Tutti – Probe im mondänen Elite Park Avenue Hotel. Ron Alvarez, der bekannte und beliebte Dirigent der größten Orchester des Festivals, bezaubert alle mit seinem Charisma und legt humorvoll und mit viel Energie seine Interpretationen an. Am Nachmittag wird dann in den Stimmproben an den spezifischen Stellen unter der Anleitung professioneller Musiker weitergearbeitet. Die Flöten und Klarinetten bekommen auch noch Zuwachs, allerdings von sehr jungen Musikern, die noch nicht mit allen Möglichkeiten ihrer Instrumente vertraut sind. Ein schöner, aber anstrengender Tag für uns alle. 

Am Nachmittag treffe ich mich kurz mit Oskar Lindvall, einem der Organisatoren, der mir im Vorfeld und schon per Mail alle brennenden Fragen beantwortet hat und mit schwedisch zurückhaltendem Charme sich für unsere Teilnahme bedankt.   

Das frühe Abendessen beschert uns einen abendlichen Nachhunger, den wir nutzen, um einmal in einem Restaurant, das nicht mit M anfängt, sondern mit der klangvollen Alliteration „Lille London“, gemeinsam zu essen und uns über die ersten Erlebnisse in Göteborg auszutauschen. 

Montag, 20.06.2022 

Nach weiteren Stimmproben und einem gesunden, zumeist veganen Mittagessen erleben wir die erste Probe im Skandinavium, der riesigen Sportarena mit 14.000 Sitzplätzen, in der auch das große Festival-Konzert stattfinden wird. Am frühen Nachmittag wird der gemeinsame Song „Baba Yetu“ von Christopher Tin mit Chor und zwei großen Orchestern auf dem Götaplatsen Open Air in einem Pop-Up Konzert aufgeführt. Ein aufsehenerregendes Ereignis, das sofort auf Instagram zu sehen ist, und gleichzeitig eine erste Generalprobe für dieses Stück, die besser verläuft, als es die Proben ahnen ließen.

Dienstag, 21.06.2022

Es ist Konzerttag, der verläuft wie zu Hause auch: vormittags Generalprobe, nachmittags und abends Konzert. Unglaublich, wie die Menge von 2000 Teilnehmern auf die Minute pünktlich durch die Probentermine geschleust wird. Das Festivalkonzert darf zweifellos als Höhepunkt des Festivals bezeichnet werden. Ca. 3000 Zuschauer lauschen der ganzen Vielfalt an Ensembles, die die Ergebnisse ihrer dreitägigen Probenarbeit präsentieren. Dazu gehören: Basic- Orchestra, Intermediate und Upper-Intermediate – Orchestra (da spielen wir mit), Wind&Strings, Pre-Advanced Orchestra und nicht zu vergessen die Göteborger Sinfoniker, die die Proben und Konzerte der Jugendlichen maßgeblich unterstützen. Dazu kommen genauso viele Chöre und auch die kleinen Ensembles der Blockflöten und die Folk-Gruppe, sogar die Tanz- und Balletthochschule choreografierte einige Stücke wie „The Wellerman“ und „Fluch der Karibik“. Das Ganze wurde wieder professionell und unterhaltsam moderiert von Johann Andersson, dem musikalischen Leiter des Festivals und Fanny, dieses Jahr mit Baby-Bauch, das alles, nicht ohne den Kriegsopfern in der Ukraine zu gedenken und zu Spenden dazu aufzurufen. 

Abends hören wir dann Jakob mit seinem Orchester Wind&Strings im Konzerthaus in feiner Akustik zu. Jakob wurde als einziger von uns in einem anderen Workshop als Schlagzeuger eingesetzt und scheute sich als unser Jüngster mit 14 Jahren nicht, diese Herausforderung anzunehmen. Toll! 

Wir sind fertig, geschafft und glücklich. Alle sind froh über die erfolgreiche Aufführung der erprobten Stücke und die großartigen musikalischen und gemeinschaftlichen Erlebnisse. 

Mittwoch, 22.06.2022

Wir nutzen den freien Tag für einen Ausflug in die Welt der Göteborger Schäreninseln. Diesmal geht es via Straßenbahn und Fähre nach Brännö. Das Wetter beglückt uns zwar nicht mehr mit ununterbrochenem Sonnenschein, bleibt aber trocken, sodass wir die kleine Insel gut zu Fuß erkunden können. Endlich weg vom Großstadtgetümmel, hin zur beschaulichen Ruhe, die wir nicht nur in der Inselwelt, sondern auch in uns selbst finden. Im Värtshuset (Wirtshaus) werden wir ausgesprochen freundlich mit leckerem Essen, aus meiner Perspektive sind das vor allem die frischen Shrimps, bewirtet. Auf dem Rückweg beginnen schon die Gedanken an zu Hause – das Online-Einchecken funktioniert inzwischen routiniert und ohne Probleme. Der Tag und das ganze Projekt endet mit dem Abschlusskonzert der besten Orchester zusammen mit den Profis, den Göteborger Sinfonikern sowie deren Kammerchor. Ein Zeichen für den Frieden wird hier durch Carls Jenkins „Sanktus“ aus „The Armed Man, A Mass for Peace“  gesetzt, was uns besonders berührt, weil sowohl der Schulchor unter Andreas Worm und die Kantorei unter Susanne Voss unter Mitwirkung einiger unserer Schüler*innen dieses Werk bereits zur Aufführung gebracht haben. Ja, wir haben in unserem kleinen Eschwege auch ein hochwertiges kulturelles Angebot!  

Die beiden Orchester beeindrucken uns alle durch ihre Perfektion und hohe Professionalität und vor allem den musikalischen Ausdruck. Meine müden Musiker, die intensive und anstrengende Tag hinter sich haben, sind wieder hellwach von der Tiefe der Musik und der Spielfreude der Musiker. Was für ein wunderbarer und würdiger Abschluss diese Projektes!  

Donnerstag, 23.06.2022

Rückreisetag. Alles funktioniert perfekt, außer der Deutschen Bahn, die uns wegen Verspätung eine Stunde Aufenthalt in Göttingen beschert, was wir, von den vergangenen Tagen völlig geflasht, mit Gelassenheit hinnehmen.  

Säurebad und Zuckerstück

Hannah Hildebrandt, die unsere Schüler und mich die Tage in Göteborg begleitete, initiierte am letzten Abend eine kleine Feedback-Runde („Säurebad und Zuckerstück“), die zu einem tollen und ausführlichen Austausch der Erlebnisse in dieser ereignisreichen Woche führt.

Meine Musiker fühlten sich bisweilen etwas unterfordert, weil das Programm recht einfach gehalten wurde. Nun ja, wir gehörten zu den Ältesten und erfahrensten Bläsern und können ohne anzugeben behaupten, unsere Stimmgruppen wirksam getragen zu haben. Musik ist eben nicht nur Töne spielen, sondern sie gestalten und sie im Klanggefüge einer Interpretation einfügen. Da fängt die musikalische Arbeit an – auch für uns. 

Interessanterweise hat sich in unserer Abschlussrunde keiner über den mangelnden Schlaf, die durchgelegene Matratzen, die Massenunterbringung in einer Turnhalle, das Gemeinschaftsbad oder die Anstrengungen der vergangenen Tage beklagt. 

Dagegen ist die Palette der positiven Eindrücke breit gefächert: das Erlebnis, mit Profis zusammen zu arbeiten, einmal in einem Sinfonieorchester mitzuspielen, die Atmosphäre des Festival-Konzertes, das hohe Niveau des Pre-Advanced und Advanced-Orchesters im Abschlusskonzert, die vielen internationalen Kontakte, die bunte Mischung von Jung und Alt, Anfänger und Fortgeschrittenen, die perfekte Organisation und nicht zuletzt die gute Stimmung und der Zusammenhalt unserer eigenen Gruppe. Felicia fasst ihr positives Fazit in einem Wort zusammen: atemberaubend!

Wir tauchten also am 24.06. 2022 mit unseren schönen Erlebnissen und Erkenntnissen, Erfahrungen und Glücksgefühlen wieder in den Schulalltag ein und wünschen uns und allen unseren Musikern unbedingt mehr davon. Natürlich ist Unterricht das Zentrum schulischen Arbeitens, aber Projekte wie dieses beflügeln und befeuern unseren Geist und Tatkraft auch über die Zeit hinaus und wirken in der Erinnerung ein Leben lang positiv nach.  

DANK 

An dieser Stelle muss ich die großartige Arbeit unsere ehemaligen Schülerin und langjährigen Klarinettistin in unserem Schulorchester, Hannah Hildebrandt, hervorheben. Sie stand als zweite Aufsichtsperson den Schülern und mir unglaublich herzlich und gut gelaunt, praktisch mitdenkend, tatkräftig und hilfreich zur Seite. Ein dickes, fettes DANKESCHÖN an Hannah!! 

Außerdem danke ich auch meiner Schülergruppe, die sich vom Zauber der Stadt Göteborg und dem Festival begeistern ließ, die sich prima auf Englisch verständigen konnten, die alle aufeinander aufpassten und Rücksicht nahmen, die meine Anwesenheit in ihrem Schlafzimmer, der Turnhalle einer riesigen Schule, duldeten und mich in ihre Gemeinschaft aufnahmen. 

Solche Projekte sind aber auch teuer, vor allem die Reisekosten sind in den letzten Jahren explodiert. Wir möchten uns darum ganz herzlich bei unseren Förderern bedanken, die halfen, die Kosten für das Projekt in erträglichem Rahmen zu halten. 

Ein herzliches Dankeschön geht also an den Lions Club Eschwege und den  Lions Club Eschwege – Werratal, an die Sparkassenstiftung, an die  Ehemaligenvereinigung der Friedrich-Wilhelm-Schule sowie an den Fördervereine des Oberstufengymnasiums und der Friedrich-Wilhelm-Schule für die finanzielle Unterstützung dieses Projekts, ohne die es nicht umsetzbar gewesen wäre. 

Wir gehen nun beschwingt unser Sommerkonzert und die Sommerferien an und sind gespannt, ob wir wieder einmal bei Side by Side mitmachen können, natürlich dann auf dem nächsthöheren Level.

 

  

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